Lohnt sich das? Tiny House im Trend: Was sparst Du wirklich?
- Redaktion

- 20. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Großes Glück im kleinen Raum? Welche Hürden es gibt
Klein, fein und bald Dein? Tiny-Häuser sind imTrend. Jährlich werden bereits 500 Tiny Houses ( Englisch: klein, winzig) neu aufgestellt, es gibt bundesweit bereits 40 Siedlungen und etwa 100 Hersteller. Wenig Geld für ein Eigenheim,im Grünen, mit Garten. Ein schöner Traum, dessen Erfüllung keine Unsummen kostet. Aber wer spart am Ende wirklich? Der Traum vom kleinen Eigentum kann schnell zu einem Hürdenlauf werden.Der Traum ist aus, wenn die Bürokratie zuschlägt.
Die Ausgangslage: Noch nie war der Wunsch, eines Tages Besitzer einer Immobilie zu sein, so unerfüllbar wie heute. Die Preise für ein Haus oder eine schöne Wohnung sind in den letzten Jahren explodiert. Durchschnittliche Kosten eine neue Eigentumswohnung: 287.000 Euro. Der Neubau eines Einfamilienhauses muss mit durchschnittlich 581.000 Euro bezahlt werden. Wer kann sich das noch leisten?
Also Mieter bleiben? Kostet inzwiwchen 680 bis 750 Euro, monatlich aufzubringen. Was nun?

Und hier rollen die Tiny-Häuser ins Bild. Das Eigenheim wird bezahlbar.
Zwar klein, aber dafür immerhin mein! Ein neues Tiny-Haus kostet zwischen 65.000 und 120.000 Euro, je nach Ausstattung und Größe.
Das Angebot reicht vom Bausatz über ein Ausbauhaus bis zur schlüsselfertigen Mini-Residenz.
Wobei: den Ausmaßen sind stets enge Grenzen gesetzt, es ist eben ein winziges Haus. In der Regel nur ein Raum, mit Badezimmer und einer Schlafecke unter dem Dach. Durchschnittsgröße, insgesamt zwischen 15 und 40 Quadratmetern. Das entspricht einer Ein-Zimmer-Wohnung. Willst Du so wirklich wohnen? Alleine oder zu zweit? Was ist, wenn Kinder dazukommen? Und wie weit sind dann Arbeitsstelle und Ärzte entfernt? Der ideale Wohnsitz auch im Alter?
Fragen, die jeder für sich beantworten muss.

Trotz des Anflugs von Romantik rund um das Häuschen im Grünen gibt es einige Tatsachen, die es zu bedenken gibt:
Für 70.000 Euro bekommst Du ein kleines Haus auf Rädern. Doch wohin damit? Du brauchst ein passendes Grundstück und machst so Bekanntschaft mit dem Baurecht. Irgendwo eine Wiese – das geht so nicht. Du musst ein erschlossenes Grundstück kaufen oder mieten. Wasser, Abwasser, Sanitär, Strom – all das muß dort vorhanden sein. Die Kosten für die Zuleitungen solltest Du schon mal in Deiner Rechnung berücksichtigen. Die Preise für Grundstücke sind regional höchst unterschiedlich. Die durchschnittlichen Kosten für ein 500 Quadratmeter großes Grundstück liegen bei 125.000 Euro.Vielleicht ist eine der bisher 40 Siedlungen eine Alternative – wenn sie denn in der Nähe ist.

Und, eine weitere Hürde: Ein Tiny-Haus steht zwar auf Rädern, ist aber dem Baurecht unterworfen. Die Behörden gehen mit Recht davon aus, dass der Aufbau nicht bewegt wird, sondern seinen festen Platz hat. Das bedeutet konkret: mindestens drei Meter Abstand zum nächsten Haus. Damit scheidet schon mal das Aufstellen des rollenden Hauses im Garten der Eltern aus.
Ohnehin solltest Du vorher die Bebauungspläne Deiner Gemeinde oder Stadt studieren. Dort ist ziemlich genau festgeschrieben, wie Dein Eigenheim auszusehen hat. Mancherorts ist sogar die Farbe der Haustür vorgeschrieben. Das Tiny -Haus muss also erst einmal durch ein Baugenehmigungsverfahren rollen. Auch, wenn Du irgendwann mit Deinem Eigenheim umziehst – immer wieder muss eine Genehmigung her.
Fazit:
Jeder muss selber wissen, was ihm die Wohnromantik im Grünen wert ist. Die Wohnfläche ist arg begrenzt, der Wiederverkaufswert im Gegensatz zu einer gemauerten Immobilie geringer.Du schreibst damit Dein Leben fest, für Zuwachs in der Familie ist buchsstäblich kein Platz.
In Zahlen: 120.000 Euro für perfektes Tiny-Haus, 125.000 Euro für das Grundstück plus Erschließung, plus, plus.
Eine deutlich größere, neue Eigentumswohnung im Grünen kostet letztendlich nicht mehr als ein schlüsselfertiges Tiny-Haus.

Hier noch mal der Überblick:
Sobald ein Tiny House dauerhaft bewohnt wird, gilt es rechtlich als Gebäude. Es braucht immer eine offizielle Baugenehmigung der lokalen Gemeinde.
Bebauungsplan: Das Grundstück muss zum Haus passen. Viele Gemeinden lehnen Tiny Houses ab, weil sie optisch nicht in das bestehende Straßenbild passen
Erstwohnsitz: Ein dauerhaftes Wohnen ist auf den meisten Campingplätzen oder reinen Wochenendhaus-Grundstücken verboten.
Die 3,5-Tonnen-Grenze: Mobile Tiny Houses auf Anhängern dürfen maximal 3,5 Tonnen wiegen, um mit einem normalen Pkw (FührerscheinBE) gezogen zu werden. Viele Häuser kratzen an dieser Grenze. Wer nachträglich Möbel einbaut, überlädt das Fahrzeug schnell.
Schimmelgefahr: Auf engem Raum (Kochen, Duschen, Schlafen) entsteht viel Luftfeuchtigkeit. Da das Luftvolumen winzig ist, droht ohne Lüften sehr schnell Schimmelbildung.
Sommerhitze: Wegen der geringen Masse der Wände heizen sich Tiny Houses im Sommer extrem schnell auf. Ohne Klimaanlage wird es unerträglich heiß.
Der Platz: Es gibt keinen Keller, keinen Dachboden und keine Abstellkammer.Kommst Du damit wirklich aus?
Wertverlust: Im Gegensatz zu klassischen Immobilien, die im Wert steigen, verlieren mobile Tiny Houses (ähnlich wie Wohnwagen) im Laufe der Jahre eher an Wert. Ein Wiederverkauf endet oftz mit Verlusten .

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